Die automatische Be- und Entladung von CNC-Maschinen ist eine der wirkungsvollsten Anwendungen für Industrieroboter. Sie kann Maschinenlaufzeiten verlängern, Bedienpersonal entlasten und eine reproduzierbare Teilehandhabung ermöglichen. Voraussetzung ist jedoch, dass Bauteil, Maschine und Materialfluss für einen automatisierten Ablauf geeignet sind.
Dieser Leitfaden zeigt, welche Punkte vor Projektstart geprüft werden sollten.
1. Ist der Bearbeitungsprozess stabil?
Automatisierung verstärkt einen stabilen Prozess – sie repariert keinen instabilen. Werkzeugstandzeiten, Spannvorgang, Späneabfuhr, Kühlung und Qualitätsprüfung sollten deshalb beherrscht sein, bevor die Roboterbeladung ausgelegt wird.
Besonders wichtig ist, dass das Werkstück reproduzierbar gespannt und nach der Bearbeitung zuverlässig gelöst werden kann.
2. Bauteile und Varianten bewerten
Bauteilgewicht, Geometrie, Rohteilzustand und Greifflächen bestimmen Roboter und Greifer. Zu berücksichtigen sind außerdem heiße oder nasse Teile, Späne, Kühlschmierstoff und mögliche Maßänderungen zwischen Roh- und Fertigteil.
Bei mehreren Varianten sollte geklärt werden:
- ob ein gemeinsamer Greifer ausreicht
- wie der Formatwechsel erfolgt
- wie Roh- und Fertigteile unterschieden werden
- welche Losgrößen wirtschaftlich automatisiert werden
3. Maschinenzugang und Arbeitsraum prüfen
Der Roboter muss Spindel oder Spannmittel kollisionsfrei erreichen. Türöffnung, Maschinenverkleidung, Werkzeugwechsler und Bedienbereich beeinflussen die mögliche Aufstellung.
Ein digitales oder maßstäbliches Layout hilft, Reichweite, Greiferorientierung und Wartungszugänge zu prüfen. Bei engen Platzverhältnissen können kompakte standardisierte Zellen Vorteile bieten.
4. Die Maschinenschnittstelle klären
Für einen automatischen Ablauf benötigt die Roboterzelle eindeutige Signale und Freigaben. Typische Funktionen sind:
- Automatikbetrieb und Maschinenbereitschaft
- Tür öffnen und schließen
- Spannmittel öffnen und schließen
- Programmstart und Programmende
- Stör- und Freigabesignale
Bei älteren Maschinen muss geprüft werden, welche Signale vorhanden sind und ob eine Nachrüstung technisch sinnvoll ist.
5. Greifer und Spanntechnik als System betrachten
Ein Doppelgreifer kann Fertigteil und Rohteil in einem Maschinenzugang wechseln und dadurch Nebenzeiten reduzieren. Dafür steigen Gewicht, Bauraum und Anforderungen an die Kollisionsprüfung.
Zusätzliche Funktionen können Abblasen, Teilekontrolle, Greifüberwachung oder das Wenden eines Werkstücks zwischen zwei Bearbeitungsseiten sein. Greifer und Spannmittel müssen so abgestimmt sein, dass das Teil jederzeit eindeutig positioniert ist.
6. Teilebereitstellung passend zur Losgröße wählen
Für Roh- und Fertigteile kommen Schubladen, Trays, Paletten, Magazine, Förderbänder oder Rasterplatten infrage. Die beste Lösung hängt von Geometrie, Autonomiezeit und Variantenvielfalt ab.
Bei kleinen bis mittleren Serien ist ein flexibles Speichersystem oft wichtiger als maximale Geschwindigkeit. Bei hohen Stückzahlen stehen dagegen Taktzeit und kontinuierliche Zuführung im Vordergrund.
7. Taktzeit und Autonomie getrennt betrachten
Die Roboterwechselzeit beeinflusst die Maschinenproduktivität. Die Autonomiezeit beschreibt dagegen, wie lange die Anlage ohne manuelles Nachfüllen laufen kann. Eine wirtschaftliche Lösung muss beide Ziele ausbalancieren.
Ein großer Teilespeicher erhöht die unbeaufsichtigte Laufzeit, benötigt aber mehr Fläche und Kapitalbindung. Ein kleiner Speicher kann bei kurzen Aufträgen und häufigem Produktwechsel sinnvoller sein.
8. Standardzelle oder individuelle Lösung?
Standardisierte Systeme reduzieren Projektlaufzeit und Schnittstellenrisiken, wenn Werkstückspektrum und Maschinenlayout zum Konzept passen. Die Tezmaksan CubeBOX-Lösungen kombinieren Roboterautomation und Teilebereitstellung für verschiedene CNC-Anwendungen.
Eine individuelle Roboterzelle ist sinnvoll, wenn mehrere Maschinen, Sonderprozesse, ungewöhnliche Bauteile oder besondere Qualitätsprüfungen integriert werden müssen.
Typischer Projektablauf
- Prozessaufnahme: Bauteile, Maschine, Taktzeit und Schnittstellen erfassen.
- Machbarkeitsprüfung: Roboter, Greifer, Layout und Speicher auslegen.
- Detailengineering: Konstruktion, Elektroplanung und Sicherheitskonzept erstellen.
- Aufbau und Programmierung: Zelle montieren, SPS und Roboter programmieren.
- Test und Abnahme: Ablauf mit realen Teilen prüfen und optimieren.
- Installation und Schulung: Anlage vor Ort anbinden und Personal qualifizieren.
Welche Angaben werden für eine Bewertung benötigt?
Hilfreich sind Maschinenhersteller und -typ, Fotos des Arbeitsraums, Bauteilzeichnungen, Gewichte, gewünschte Stückzahl, Bearbeitungszeit, Spannmittel und verfügbare Schnittstellen.
CNC-Anwendung prüfen und passende Automationslösung anfragen.


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